Zeitzeugen aus Tschernobyl

Auch in diesem Jahr war es wieder möglich, einen gemeinsamen Termin mit den Zeitzeugen aus Tschernobyl zu finden, damit diese den Schülerinnen und Schülern von ihren Erfahrungen und Erlebnissen berichten konnten. Wie wichtig und aktuell dieses Thema auch nach 32 Jahren ist, zeigte uns im Jahre 2011 der Unfall von Fukushima. Entnimmt man aus den Medien die Berichte über marode Atomkraftwerke in Belgien,  stellt man fest, dass auch wir in unserer sicher geglaubten Region bei einem Unfall nicht ohne Schaden bleiben werden. Das zeigt leider auch die vorsorgliche Verteilung von Jodtabletten in der Region Aachen im letzten Jahr.

Fällt das Wort Atomkraft, stellt sich immer wieder sowohl eine große Verunsicherung als auch großes Interesse bei den Schülerinnen und Schülern ein. Einen speziellen oder aktuellen Aufhänger braucht es dazu nicht. Zur Vorbereitung auf den Besuch der Zeitzeugen wird den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern in den Fächern Physik, Chemie und dem Pflichtwahlfach MINT das nötige Fachwissen vermittelt und erarbeitet. Viele Fragen der Schülerinnen und Schüler können im Unterricht schon besprochen werden.

Berichten dann aber die Zeitzeugen über Ihre persönlichen Schicksale, über die körperlichen und seelischen Folgen, auch nach so langer Zeit, merkt man den Schülerinnen und Schülern  eine große Betroffenheit an. Neben der älteren Generation um Zonja Kowaltschuk, welche damals als Krankenschwester zum Einsatz kam, besuchte uns auch dieses Jahr wieder eine jüngere Delegation die die Katastrophe damals als Kinder miterlebt hat. Die heute 30-40 Jahre alten Menschen berichten von regelmäßigen medizinischen Untersuchungen, Verlust von Freunden oder Verwanden durch Leukämie und Schilddrüsenkrebs und von zerbrochenen Beziehungen, wenn Freunde und Partner erfahren, das sie damals vom Reaktorunfall betroffen waren.

Die Zeitzeugen verabschieden sich von den Schülerinnen und Schülern der Fritz- Steinhoff Gesamtschule indem sie ihnen Gesundheit wünschen! Dieses Wort hat für die Menschen aus Tschernobyl eine ganz besondere Bedeutung. Sie sind dankbar, ihre Geschichte erzählen zu dürfen und fordern die junge Generation auf dabei helfen, die Erinnerung an die Katastrophe wach zu halten.

Begleitet wurden die persönlichen Berichte von einer bildreichen PowerPoint Präsentation. Es wurde still im Raum, als die erschreckenden Zahlen genannt wurden, die das schreckliche Ausmaß des Unfalls beschreiben: 60.000 kg radioaktiver Staub in der Luft, 800.000 Liquidatoren waren im Einsatz, 350.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen. 37 Dörfer wurden begraben.  Heute erinnern nur noch Gedenksteine daran, dass dort einst Menschen lebten.