{"id":1190,"date":"2015-04-10T09:17:03","date_gmt":"2015-04-10T08:17:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fsg-hagen.de\/?page_id=1190"},"modified":"2017-09-06T13:06:52","modified_gmt":"2017-09-06T12:06:52","slug":"wer-war-fritz-steinhoff","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.fsg-hagen.de\/?page_id=1190","title":{"rendered":"Wer war Fritz  Steinhoff?"},"content":{"rendered":"<p>Fritz Steinhoff wurde am 23. November 1897 in Dortmund-Wickede als Sohn einer kinderreichen Bergarbeiterfamilie geboren.<br \/>\nDie wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse der Familie waren sehr ung\u00fcnstig:<br \/>\n1912 verlie\u00df Fritz die Volksschule und musste durch Arbeit in der Landwirtschaft und im Bergbau zum Familieneinkommen beitragen.<br \/>\n1917 wurde er zur Marine eingezogen und arbeitete als Heizer auf einem Torpedoboot. Die Ereignisse des 1. Weltkriegs und der Novemberrevolution brachten ihn in Kontakt zum Sozialismus der SPD.<br \/>\n1919 wurde Steinhoff Mitglied der SPD und der Bergarbeitergewerkschaft. Er engagierte sich bei der Bergarbeiterjugend und dem eher konservativen Fl\u00fcgel der Jungsozialisten (&#8222;Hofgeismarer Kreis&#8220;). Sein politisches Engagement brachte ihn dazu, die T\u00e4tigkeit als Bergmann (bis 1924) durch Fortbildungsma\u00dfnahmen zu unterbrechen. So besuchte er<br \/>\n1921 die Heimvolkshochschule Drei\u00dfigacker in Th\u00fcringen und<br \/>\n1923-24 die &#8222;Akademie der Arbeit&#8220; in Frankfurt \/ M., eine gemeinsame Einrichtung der Gewerkschaften und der Universit\u00e4t Frankfurt. Arbeitslos geworden, ging er<br \/>\n1925 nach Berlin zur &#8222;Deutschen Hochschule f\u00fcr Politik&#8220;, wo er u. a. bei dem sp\u00e4teren Bundespr\u00e4sidenten Heu\u00df Vorlesungen h\u00f6rte. Es folge eine kurze journalistische T\u00e4tigkeit, bei der Steinhoff jedoch wichtige Parteikontakte in der westf\u00e4lischen SPD kn\u00fcpfen konnte.<br \/>\n1928 wurde Steinhoff &#8222;Parteisekret\u00e4r&#8220; der SPD in Hagen, nach Kommunalwahlen<br \/>\n1929 ehrenamtliches Magistratsmitglied. Er war f\u00fcr Jugendarbeit und Sport zust\u00e4ndig. Das Interesse an Kommunalpolitik blieb f\u00fcr ihn immer pr\u00e4gend, ebenso ein eher pragmatischer Ansatz von Politik, der den Ausgleich und die Zusammenarbeit mit anderen &#8211; demokratischen &#8211; Parteien suchte.<br \/>\nUnter Steinhoffs Einfluss gewann in der Hagener SPD, in der z. T. noch in der Tradition der USPD stehende, linke Tendenzen existierten, die offizielle &#8211; eher pragmatische &#8211; Politik der Partei an Bedeutung.<br \/>\nZu Steinhoffs zentralen Aufgaben geh\u00f6rte es, den Widerstand gegen den aufkommenden Nationalsozialismus zu f\u00fchren.<br \/>\nNoch am 12. 2.1933 &#8211; nach der Machtergreifung &#8211; konnte die Hagener SPD 3.000 Teilnehmer zu einer antifaschistischen Kundgebung aktivieren. Nachdem SPD-Verbot im Juni 1933 ging Steinhoff in den aktiven Widerstand. Er arbeitete als Vertreter, was ihm gute Kontaktm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnete.<br \/>\n1938 wurde er verhaftet, in der Dortmunder Steinwache gefoltert und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Haftentlassung<br \/>\n1941 fand er Arbeit in der Iserlohner Firma eines NS-Gegners. Im Zusammenhang mit der Verhaftungswelle von Oppositionellen nach dem Attentat auf Hitler<br \/>\n1944 wurde er in das KZ Sachsenhausen gebracht. Nur knapp \u00fcberlebte er diese Zeit.<br \/>\n1946 wurde Fritz Steinhoff Hagener Oberb\u00fcrgermeister. Schwerpunkt seiner T\u00e4tigkeit war der Wiederaufbau der stark zerst\u00f6rten Stadt. Steinhoff gelang dies in relativ kurzer Zeit, ein Umstand, der sicherlich zu seiner Popularit\u00e4t (&#8222;Fritzken&#8220;) in Hagen beigetragen hat. Gleichzeitig war er auch auf landespolitischer Ebene t\u00e4tig:<br \/>\n1946-61 war Steinhoff Mitglied des NRW-Landtages,<br \/>\n1949-50 war er Minister f\u00fcr Wiederaufbau.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.fsg-hagen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Bundesarchiv_Fritz_Steinhoff1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.fsg-hagen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Bundesarchiv_Fritz_Steinhoff1.jpg\" alt=\"Fritz Steinhoff 1949\" width=\"153\" height=\"212\" class=\"alignleft size-full wp-image-1201\" \/><\/a><br \/>\n1956 erreichte er den H\u00f6hepunkt seiner politischen Karriere: er wurde Ministerpr\u00e4sident in D\u00fcsseldorf. Mitten in der Legislaturperiode st\u00fcrzte er den CDU-Ministerpr\u00e4sidenten Karl Arnold und bildete die bundesweit erste sozialliberale Landesregierung (unter Einschluss des Zentrums). Er konnte dabei auf die Unterst\u00fctzung junger liberaler Politiker auch aus Hagen, wie z. B. Willi Weyer, z\u00e4hlen, die eine SPD-FDP-Koalition bevorzugten (&#8222;Jungt\u00fcrken&#8220;). Schwerpunkt der kurzen Amtszeit der neuen Regierung\u2028bis 1958 war die Wissenschaftspolitik. Steinhoff als entschiedener Gegner der atomaren Aufr\u00fcstung der Bundesrepublik einerseits, war andererseits ein Bef\u00fcrworter der Kernenergie. Das Kernforschungszentrum J\u00fclich wurde in seiner Amtszeit gegr\u00fcndet.\u20281959 Auch aus bundespolitischen Gr\u00fcnden verlor Steinhoff die Landtagswahl in diesem Jahr; die Zeit war noch nicht reif f\u00fcr sozialliberale Koalitionen.<\/p>\n<p>1961 gewann Steinhoff ein Bundestagsdirektmandat in Hagen f\u00fcr die SPD und wurde nun Mitglied des Bundestages (bis zu seinem Tod.) Er musste das Landtagsmandat abgeben; ein Umstand, der eigentlich nicht seinen Absichten entsprach. Eine bundespolitische Karriere scheiterte an der f\u00fcr die SPD verlorenen Wahl.<br \/>\nLandespolitisch begann nun ein Abstieg f\u00fcr Steinhoff: Die j\u00fcngere SPD-Generation versuchte, ihn aus seiner F\u00fchrungsrolle zu verdr\u00e4ngen.<br \/>\n1963-64 In Hagen gelang ihm jedoch nochmals ein Erfolg. Nicht nur mit SPD-Stimmen wurde er nochmals zum Oberb\u00fcrgermeister gew\u00e4hlt, ein Zeichen f\u00fcr sein \u00fcberparteiliches Ansehen in dieser Stadt.<br \/>\n1967 wurde er Hagener Ehrenb\u00fcrger.<br \/>\nAm 20.10.1969 starb Fritz Steinhoff.<br \/>\nFritz Steinhoff gilt als Typus eines Politikers, der sich durch N\u00e4he zur Bev\u00f6lkerung und pers\u00f6nliche Bescheidenheit auszeichnete.<br \/>\nSeine Hauptverdienste liegen sicherlich einerseits in seinem mutigen Kampf gegen die Nationalsozialisten sowie in den Leistungen f\u00fcr den Wiederaufbau der Stadt Hagen nach 1945.<br \/>\nAn den ehemaligen Hagener OB erinnert das 1989 eingeweihte Denkmal am Rathaus. Die 1975 er\u00f6ffnete erste Hagener Gesamtschule tr\u00e4gt den Namen Steinhoffs, eines Mannes, f\u00fcr den die bildungspolitische Chancengleichheit aus eigenem Erleben eine wichtige Forderung war.<\/p>\n<p>(M.Woudenberg, ehemaliger Lehrer der Fritz-Steinhoff-Gesamtschule)  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fritz Steinhoff wurde am 23. November 1897 in Dortmund-Wickede als Sohn einer kinderreichen Bergarbeiterfamilie geboren. 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