„Gegen das Vergessen“ – Gedenkstättenfahrt des 10. Jahrgangs im September 2022

Nach zwei Jahren Corona bedingter Pause konnte endlich wieder die traditionelle Gedenkstättenfahrt im 10. Jahrgang stattfinden, organisiert vom Hagener Verein „Genau so! e.V.“.

33 Schülerinnen und Schüler verbrachten, begleitet von Frau Link, Frau Wittke und Herrn Mardner sowie den beiden Organisatoren der Fahrt, Carina Froelian und Stefan Born, zwei Tage in Berlin und gingen danach noch in Hagen auf eine Reise voller berührender und informativer Eindrücke, die ihnen die Zeit des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit vergegenwärtigte.

Am Montag, den 19.9.2022 erreichten wir am Mittag den Berliner Hauptbahnhof und machten uns auf zur ersten Gedenkstättenstation, der „Topographie des Terrors“. Hier bekamen wir einen ersten Überblick über die Ereignisse der Zeit von 1933 bis 1945, also von der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler bis zum Kriegsende. Eine Sonderausstellung zu Albert Speer, dem Architekten Hitlers, zeigte eindrücklich, wie ein ranghoher Fürsprecher Hitlers es zunächst schaffte, sich nach dem Krieg als heldenhafter Zeitzeuge zu präsentieren. Seine angebliche weitreichende Unwissenheit über die Kriegsverbrechen konnte allerding später wissenschaftlich widerlegt werden.

Weiter im Programm ging es zur Neuen Synagoge. Dort erhielten wir in einer Führung Auskunft über die jüdische Religion. Die Synagoge in Berlin wurde 1866 gebaut, allerdings 1938 von den Nazis gestürmt und in Brand gelegt. Vollständig zerstört wurde sie 1943 durch britische Bombenangriffe. 1958 wurde der Bau komplett abgerissen. Der Wiederaufbau begann 1988, der erste Gottesdienst fand aber erst im Jahr 2018 statt.

Am nächsten Morgen besuchten wir das „Dokumentationszentrum NZ Zwangsarbeit“. Durch die Ausstellung innerhalb der original erhaltenen Barracken mitten in einem Wohngebiet und den eindrücklichen Schilderungen der Ausstellungsleiterin konnten wir die Situation der damaligen Zwangsarbeiter, darunter auch viele Kinder, intensiv nachvollziehen.

Die letzte Station in Berlin führte unsere Gruppe zum „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“. Das Stelenfeld mit seinen ganz unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten beeindruckte schon sehr, mehr noch aber die darunter liegende Ausstellung. Hier konnte man u.a. letzte Briefe von Müttern an ihre Kinder, von Kindern an ihre Eltern und anderer Menschen lesen, die im Angesicht des nahenden Todes Worte schrieben (und sie z.B. aus Deportationszügen warfen), die bis heute mehr als ergreifend sind. Auch hier bekamen wir von einem Geschichtsstudenten eine verständliche Einführung.

Wieder zurück in Hagen besuchten wir am Mittwoch das Bunkermuseum und gingen anschließend auf eine Stolpersteintour durch die Innenstadt. Stolpersteine findet man vor verschiedenen Wohnhäusern, aus denen Menschen im Krieg in Konzentrationslager oder Zwangsarbeiterlager deportiert wurden. Ihre Namen auf den Steinen erinnern an ihr Schicksal. In Gruppen lasen wir mit der „Stolpersteine-App“ die Geschichten zu den Menschen. Anschließend reinigten wir die Steine, so dass sie in ihrer mahnenden Wirkung neu erstrahlten.

Am Donnerstag erlebten wir Berichte von Zeitzeugen des Krieges beinahe hautnah, auch wenn die Menschen nicht leibhaftig anwesend waren. Möglich machte das die „WDR AR“-App, die Zeugen des Zweiten Weltkrieges digital per Smartphone ins Klassenzimmer projiziert und damit den Eindruck erweckt, als säßen sie tatsächlich neben einem.

Alle Erlebnisse aus den vergangenen Tagen haben wir schließlich in einer kleinen Ausstellung aufgearbeitet um den Schülerinnen und Schülern, die sich für eine Teilnahme an der Gedenkstättenfahrt im nächsten Jahr interessieren, zu zeigen, was es heißt, sich gegen das Vergessen einzusetzen.

Anastasia Tomczak und Frau Wittke